RIKK - regional interkulturell kompetent

Förderung für Kinder, Bildung für Eltern

Foto: privat / Institut Interkulturelle Pädagogik

Hacer Bergner kennt die Herausforderungen einer Migration in ein neues, anderssprachiges Land. Sie betreut als Elternbegleiterin in Vöcklamarkt eine Gruppe von Müttern, die am Rucksack-Projekt, einem interkulturellen Programm zur Sprachförderung und Elternbildung im Elementarbereich, teilnehmen.

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Die Muttersprache ist der Schlüssel zum erfolgreichen Lernen einer Zweitsprache. Das ist längst und vielfach bewiesen. Sind die Sprachstrukturen der Erstsprache bei einem Kind einmal gefestigt, kann eine neue Sprache darauf aufbauen und viel leichter erlernt werden. Um diese frühe Sprachförderung geht es im "Rucksack-Projekt", aber auch um Elternbildung und Kompetenzstärkung.

Herausforderungen der Migration

Hacer Bergner betreut das Projekt, das vom Institut für Interkulturelle Pädagogik der Volkshochschule OÖ angeboten wird, seit dem Jahr 2008 im Salzkammergut. Geboren in einem kleinen anatolischen Ort am Ufer des Euphrats, verbrachte sie ihre Kindheit und Jugend in der Türkei und auch in Deutschland. Dort lernte sie ihren Mann, einen Kärntner, kennen. Mit ihm zog sie nach Oberösterreich, und heute leben die beiden mit ihren zwei Kindern in Lenzing. Die Herausforderungen der Migration in ein neues, anderssprachiges Land kennt sie aufgrund ihrer eigenen Biographie genau. Darum liegt es ihr auch so am Herzen, andere Eltern und Kinder in einer besonders prägenden Lebensphase zu unterstützen. 

Mütter als Expertinnen

"Das wichtigste ist natürlich die Förderung der Kinder", sagt Hacer Bergner. "Das Rucksack-Projekt ist aber auch dafür da, die Beziehung zwischen Eltern und dem Kindergarten zu verbessern, eine Brücke zu schlagen. Außerdem ist es ein Bildungsprogramm für die Eltern." Bei den Kindern aus Zuwandererfamilien zielt das Rucksack-Programm auf die Förderung der Muttersprachenkompetenz, des Deutschen und der allgemeinen kindlichen Entwicklung ab. Mütter (oder auch Väter) werden dabei ganz gezielt als ExpertInnen für das Erlernen der Erstsprache eingesetzt, und dadurch automatisch in ihren Kompetenzen gestärkt.

Treffen einmal in der Woche

Wie das alles funktioniert? Kindergärten, die das Potential erkennen und die Eltern mehr in die Förderung der Kinder einbinden möchten, setzen sich mit der Projektleitung und der Gemeinde in Verbindung. "Das Projekt wird teils vom Land und teils von der Gemeinde finanziert", so Bergner. Wird es genehmigt, findet einmal in der Woche ein Treffen statt, wo interessierte Eltern mit ihren Kindern – von jeweils verschiedenen Kindergärten im Ort – teilnehmen können. Dort werden dann gemeinsam mit dem/r ElternbegleiterIn Aktivitäten vorbereitet, die die Eltern während der folgenden Woche mit ihren Kindern zu Hause durchführen sollen.

Vorbereitung für die Schule

"Es gibt eine Rucksack-Mappe mit vielen Arbeitsmaterialien, und darin findet man Aufgaben wie Bildgeschichten, Logik- und Leseübungen, Memory oder auch mathematische Übungen, um Zahlen und Zahlenverständnis zu lernen", erklärt Bergner, die einmal pro Woche für zweieinhalb Stunden die Elterngruppe in Vöcklamarkt leitet. "Wir besprechen die Aufgaben dann gemeinsam und ganz genau. Ich erkläre auch, welchen Nutzen die jeweilige Aufgabe für das Kind hat. Oder ich gebe Tipps, wie man das Kind fördern kann, wenn es keine Lust auf Hausübungen hat." Fünf Aufgaben pro Woche gibt es, für jeden Werktag eine. "Es ist auch eine Vorbereitung für die Schule", so die Elternbegleiterin. "Und es geht sehr stark um die Kommunikation zwischen Mutter und Kind." – Beide können profitieren.

Anknüpfen an die Stärken

Das Rucksack-Konzept kommt ursprünglich aus den Niederlanden und wurde in Deutschland weiterentwickelt. Mütter, die am Rucksack-Projekt teilnehmen, stammen sowohl aus bildungsnahen als auch aus bildungsfernen Familien. Durch das regelmäßige Programm an Aufgaben wächst auch ihre muttersprachliche Kompetenz – ein Zuwachs, der sich unmittelbar auf die Sprachentwicklung der Kinder auswirkt. Durch das Anknüpfen an ihre Stärken entwickeln die Mütter schließlich auch eine stärkere Erziehungskompetenz und ein höheres Selbstwertgefühl.

Schneeballeffekt

"Im Optimalfall sind die Mütter nach dem Rucksack-Programm bestens darauf vorbereitet, ihren Kindern in der Volksschule bei den täglichen Hausaufgaben zu helfen", sagt Hacer Bergner. Für einige Eltern ist das Rucksack-Programm auch ein Anstoß, auch künftig an diversen Weiterbildungen teilzunehmen. "Ich hatte einige Teilnehmerinnen dabei, die ihr Wissen auch an Mütter, die nicht zu den Rucksack-Treffen kommen, weitergeben. Das ist ein toller Schneeballeffekt." (Text: Jasmin Al-Kattib)

Mehr Infos über "Rucksack" unter "Praxis & Wissen" und beim Institut für Interkulturelle Pädagogik

 

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